Beijing Bubbles - Punk and Rock in China's Capital
 

Director’s Note

Als wir Anfang 2004 noch wenig über Punk und Rock in Peking wussten und mit unseren Recherchen begannen, da hätten wir nie geglaubt, dass man mit nur wenigen Wochen Drehzeit so weit kommen kann. Aber dann ging alles sehr schnell und einfach in diesem Land, das uns anfangs so fremd war: Wir pickten eine Handvoll CDs aus unseren Stapeln, riefen eine Freundin an, die jemanden kannte - und schon am selben Nachmittag hatten wir unsere erste Verabredung mit der ersten Band. Man lud uns in den Proberaum oder in die Wohnung, ging mit uns spazieren, zeigte uns die Gegend, ging nachher essen und schleppte uns oft noch am selben Abend zum Konzert. Dort trafen wir Mitglieder der zweiten Band, gingen mit ihnen trinken und machten erste Interviews. Man lud uns anderntags zum gemeinsamen Besuch bei der Mutter, zum Karaoke oder ins nächste Restaurant und zum nächsten Konzert.


Wir sind in Deutschland mit Punk aufgewachsen und wir sind als Popjournalisten und Betreiber eines Plattenlabels oft enttäuscht worden, wie sehr die Ideale dieser Musik zur nichts sagenden Mode verkamen. Umso begeisterter waren wir, als wir in China den Gründergeist von Punk wieder fanden. Und nicht nur das: Wir hatten das Gefühl, als hätte sein heiliger Ernst in diesem Land voller restriktiver Traditionen und Leistungszwang erst zu seiner vollen Daseinsberechtigung gefunden. Es liegt wohl auch an dieser Sympathie, dass uns diese Musiker spontan einfach so ihre Zeit schenkten und uns in ihr Leben ließen. Und dass wir plötzlich vierzig Stunden Filmmaterial beisammen hatten, aus denen wir eine raue und energiegeladene Montage über eine Subkultur in Chinas Hauptstadt schneiden wollten – mit im Westen selten gehörter Musik. Und mit Menschen, die in einem autoritär geführten Staat mit ebenso viel Mut wie träumerischen Idealen ihren ganz eigenen Weg jenseits der etablierten und akzeptierten Strukturen gewählt haben.